Im Leben jeder Frau ist sie etwas ganz Besonderes: die Menarche, die erste Monatsblutung. Von diesem Zeitpunkt an startet nicht nur der Menstruationszyklus, sondern es beginnt auch ein ganz neuer Lebensabschnitt. Mit dem Beginn der Periode, beginnt auch die fruchtbare Zeit. Wir Frauen können Kinder gebären. Das ist wundervoll und fühlt sich für mich an wie ein Geschenk an und nichts, wofür man sich schämen sollte.

 

Geschrieben von Nora Wunderwald

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Das Normalste der Welt

Und doch ist der Tabubereich rund um die Periode groß. Vielen Frauen und vor allem auch jungen Mädchen ist es unangenehm über ihre Blutung und alles, was damit zusammenhängt, zu sprechen. Es ist einfach zu intim. Intim? Ja. Tabu? Bitte nicht! Im Leben einer jeden weiblichen Person sollte es das Normalste der Welt sein, mit Mutter, Schwestern, Freundinnen, mit anderen Frauen und Männern über die Menstruation zu reden. Die Periode gehört zu unseren Körpern. Sie wird uns lange begleiten. Wir können sie mit Stolz betrachten. Je früher wir damit anfangen, desto besser.

Woher kommt dieses Tabu denn eigentlich?

Dass der Intimbereich intim ist, fängt wohl schon mit Adam und Eva an und ihrem überlieferten Schamgefühl, nachdem Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte. Sie und Adam merkten dann, dass sie nackt waren und verdeckten das „da unten“ mit Blättern. Diese biblische Geschichte wurde folglich von den Menschen damals zum Vorbild genommen, zum Anlass, die eigene Intimsphäre zu verdecken. Und diese Konvention ist bestehen geblieben: Heute würde keiner mehr nackt durch die Straßen laufen, selbst Nippel durch ein Shirt zu sehen, gilt in vielen Augen noch als unangebracht.


Dass ich nichts verstecken muss und mich schon gar nicht für irgendetwas schämen sollte, ist eine Einsicht, die ich mir für alle Menschen wünsche. Denn unsere Körper sind kein öffentliches Ärgernis, sondern etwas, worauf wir stolz sein sollten. Jeder Mensch sollte zeigen oder verstecken können, was er möchte.

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Die Wahl haben

Die Wahl zu haben auch beim Gesprächsthema, finde ich genauso wichtig. Du möchtest über deine Periode sprechen? Wunderbar. Nun sollte das von deinem Gegenüber auch akzeptiert werden. Manchmal wünsche ich mir da eine offenere Mentalität. Dass alles besprochen wird. Alles. Tabulos. In den letzten Jahren ist durchaus viel enttabuisiert und angesprochen wurden, was früher kaum zum Thema wurde. Sex und alles was dazugehört wird öffentlich diskutiert, genau wie Körperbehaarung, Verhütungsmethoden, Abtreibungen, Krankheiten. Eine sehr positive Entwicklung! So bitte auch, wenn es um die Menstruation geht.

Denn die Menstruation ist über den Großteil des Lebens einer Frau ein relevantes Thema. Ganz besonders viele Fragen dazu wird es wohl allerdings davor geben. Wie fühlt es sich an? Was brauche ich dafür? Werde ich Schmerzen haben? Wie lang wird sie dauern? Kommt sie bei mir regelmäßig? Im Durchschnitt haben Mädchen ihre erste Periode mit 12,5 Jahren. Dieses Alter variiert jedoch stark.

Was aber feststeht: meistens kommt die erste Blutung ziemlich überraschend. Fast jede Frau kann eine andere Geschichte dazu erzählen, wie es bei ihr das erste Mal war. Umso wichtiger, sich so viele Erfahrungen wie möglich anzuhören. Dann wird es viel entspannter, wenn es soweit ist.

Vorbereitung ist alles

Und das geht nur, wenn man weiß, was auf einen zukommt. Sonst kann die Angst vor der ersten Periode schnell mal zur Qual werden. Um sich auf die körperliche Umstellung einzustimmen, ist der Sexualkundeunterricht in der Schule leider nur bedingt aufschlussreich und informativ. Tampons und herkömmliche Slipeinlagen werden hier meist als einzige „Hilfsmittel“ vorgestellt. Dabei ist das Angebot um einiges vielseitiger. Auch hier gilt: verschiedene Frauen haben verschiedene Erfahrungen gemacht, Verschiedenes ausprobiert. Mama nimmt vielleicht schon immer Tampons, aber deine Schwester schwört auf die Menstruationstasse. Deine Freundin verwendet nur auf Binden. Ausprobieren heißt die Devise. Ausprobieren ist tatsächlich ein wichtiges Stichwort. Denn nichts ist so individuell, wie dein persönliches Perioden-Paket. Es gibt dir Sicherheit während einer körperlichen und emotional intensiven Zeit. Also passe es genau auf deine eigenen Bedürfnisse an!

Füreinander da sein

Apropos emotional: Während Frau ihre Tage hat, passiert auch auf der psychischen Ebene so einiges. Ein Grund mehr sich auszutauschen, offen zu sein und zuzugeben, dass es einem gerade nicht gut geht, dass man Schmerzen hat oder Hilfe und Zuwendung braucht. Frauen verstehen Frauen. Und sind füreinander da. Sich als Chefin krank zu melden, weil man Unterleibsschmerzen hat – setzt ein Zeichen. Sich als Mitschülerin an den Rand zu setzen, weil man sich den Sportübungen nicht aussetzen will – setzt ein Zeichen. Und auch Männer können – wenngleich auf einem anderen Level – sehr verständnisvoll sein. Kommunikation ist alles.

Kommunikation – die Quintessenz

Unser Wissen stetig zu erweitern und weiterzugeben ist der Schlüssel zu einem guten, tabufreien Umgang mit der Menstruation. Dazu gehört es auch, Bereitschaft zu Gesprächen zu zeigen. Genau wie den Mut und den Willen, sich über herrschende Konventionen hinwegzusetzen und eine Gesellschaft zu etablieren, in der Mädchen und Frauen frei über jegliche Themen reden, fragen und philosophieren können.

Denn auf der Welt sollte sich niemand für etwas so Menschliches, so Natürliches, so Eigenes schämen müssen, als dass darüber nicht gesprochen werden könnte. Das Wichtigste, was wir Menschen haben, ist unsere Freiheit, ist unsere Würde. Beides dürfen wir uns durch das Nicht-Thematisieren eines solchen Themas nicht wegnehmen lassen.