Bei den meisten Dingen im Leben gibt es kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur ein Besser oder eben Schlechter, es gibt Graustufen, es gibt Tendenzen, ja. So auch bei der Frage, was wir bei der Periode (oder auch sonst) an Hygieneartikeln an unsere Körper lassen.

Geschrieben von Nora Wunderwald

Nora Wunderwald vonockerundrot

Wie die Mutter

Als ich zum ersten Mal meine Tage bekam, nahm ich zuerst die Slipeinlagen in rosa Verpackung, die ich bei meiner Mutter im Regal fand. Ihre Tampons waren mir zu groß, dennoch wusste ich: der Mythos, dass Tampons das Jungfernhäutchen zerstören, ist Quatsch. Ich ging selber auf die Suche nach der richtigen Größe für meine ersten leichten Blutungen. Das kam einher mit dem Gefühl einer unglaublich großen Peinlichkeit, in der Drogerie ein paar Minuten vor dem Meer an Hygieneartikeln zu stehen und diese schließlich auf's Band zu legen. Was würden die Leute von mir denken? Jetzt in Retroperspektive betrachtet: Warum verspürte ich dabei überhaupt Scham? Weil es um den Schambereich ging?

Ist das nicht peinlich?

Ich erinnere mich noch an den Sexualkundeunterricht in der sechsten Klasse als eine meiner Mitschülerinnen fragte: „Aber ist das nicht peinlich, das zu kaufen?“ und meine Lehrerin antwortete: „Das braucht jede Frau jeden Monat. Das ist nicht peinlich.“ Diese zwei Sätze sind mir bis heute im Kopf geblieben und einer der Gründe, warum dieses Thema unbedingt enttabuisiert werden muss. Ich muss aber auch an ihrem Unterricht (und der Sexualkunde wie sie im Schulsystem herübergebracht wird allgemein) kritisieren. Meine Lehrerin nannte uns genau zwei Artikel, zwei Möglichkeiten, die man hat, wenn man eine Blutung hat: Binden und Tampons. Das war für mich – und die vielen anderen Mädchen – dann erstmal Gesetz. Auch In Zeitschriften, wie der BRAVO oder der Mädchen wurde nicht viel anderes vorgestellt. Allgemein ging es da weniger um die Periode und mehr darum, wie ich einen Jungen berzirze – aber das ist ein anderes Thema.

 

Binden & Slipeinlagen sind unterschiedliche dicke und saugfähige Pads, die während der Periode oder auch täglich getragen werden. Für Tampons und die verschiedenen Ausführungen derer gilt ähnliches. Je nachdem können sie wenig bis viel Ausfluss oder Blut aufsaugen. Gerade was die Umwelt angeht, sind beide Varianten aber nicht unbedenklich. Da es Einweg-Produkte sind, landen sie nach der Benutzung im Mülleimer. Durch ihre synthetischen und chemischen Bestandteile brauchen sie mehrere 100 Jahre um völlig zersetzt zu werden.

 

Fehlendes Bewusstsein

Gern hätte ich früher gewusst: es gibt Menstruationstassen. Es gibt Slipeinlagen und Binden aus Stoff. Es gibt Periodenunterwäsche. Um nur die gängisten zu nennen. All das ist nicht nur angenehmer und verträglicher für die Scheide und das Scheidenmilieu, sondern auch um Längen besser für die Umwelt. Denn als 13-jährige hatte ich noch kein Bewusstsein dafür, was der ganze Müll, den ich da ein Mal im Monat eine Woche lang in den Badeimer werfe, für Auswirkungen hat.

 

Menstruationstassen, Stoffbinden und Slipeinlagen aus Stoff sind wiederverwendbare Hygieneprodukte. Diese können über mehrere Jahre verwendet werden und schonen dabei Umwelt und Geldbeutel. Unhygienisch sind sie nicht: Sowohl Menstruationstassen, als auch Stoff-Slipeinlagen können ausgekocht bzw. gewaschen werden. Auch diese gibt es in unterschiedlichen, Formen, Größen und Saugstärken.

 

Individuelle Vorlieben

Das weiß ich jetzt. Bis vor zwei Jahren habe ich allerdings jeden Monat unglaublich viel Geld für das natürlichste der Welt ausgegeben – meine Monatsblutung. Und dabei habe ich nicht die billigeren Eigenmarken der Drogeriemärkte gekauft, sondern Markenware – so wie meine Mutter eben. Und auch bei den Alternativen gibt es verschiedene Preisklassen. Vor allem aber Qualitäten. Viel mehr jedoch: Vorlieben. Denn so, wie jede Frau anders ist, so individuell ist auch ihr persönliches „Periodenpaket“. Probieren geht an dieser Stelle über Nicht-Probieren. Es gibt verschiedene Menstruationstassen, verschiedene Stoffbinden, verschiedene Größen und Farben und Stärken und Hersteller. Hier ist eben nicht one-fits-all Programm. Deswegen: Probiert aus! Testet alles mal und wenn es nicht funktioniert, dann lassen sich viele der reuse-Varianten weitergeben. Gewaschen und fleckenfrei, versteht sich. Auch hier gilt: Tauscht Erfahrungen aus und sprecht über die Vor- und Nachteile. So lässt sich vielleicht ein wenig besser abschätzen, was auch dir gefallen kann.

Ein sicherer Ort zum Austausch ist zum Beispiel unsere Von Ocker und Rot Fangruppe auf Facebook. Dort hast du die Möglichkeit Fragen zu stellen und alles rund um die Produkte aus dem Hause Von Ocker und Rot (VOUR) zu erfahren und selbst über deine Erfahrungen zu berichten.

Für mehr Informationen

Welche plastikfreien Alternativen gibt es zu Tampons, Slipeinlagen und Co? Welche Menstruationstasse ist die richtige für mich? Stephanie, Gründerin hinter Von Ocker und Rot, beantwortet deine Fragen zum Thema nachhaltiger Monatshygiene in regelmäßig stattfindenden Live-Chats auf Instagram und Facebook.

Auf Youtube findest du die Aufzeichnung vom letzten Q&A:

→ Zu den Größen und Formen von Von Ocker und Rot Slipeinlagen und Stoffbinden.

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→ Fragen und Antworten zur Menstruation.